Neue Elektro-Pick-ups in den USA: Ford plant gleich zwei Cybertruck-Rivalen (2022)

Sie heißen Atlis, Lordstown oder Rivian. Und sie wagen die Revolution: Pick-ups, diese uramerikanische Fahrzeuggattung, die man sich ohne hubraumstarke, bollernde und spritschluckende V8-Motoren kaum vorstellen kann, sollen künftig von Elektromotoren angetrieben werden und ihre Energie aus Batterien ziehen. Konkurrenz (oder Unterstützung, je nach Sichtweise) erhalten die Start-ups von etablierten Herstellern. Ford und General Motors planen dasselbe, auch Tesla hat mit dem Cybertruck seinen ersten Pick-up schon vorgestellt. Einige kleine Firmen mit mehr oder weniger geringen Erfolgsaussichten mischen ebenfalls mit bei der Casting-Show "Amerika sucht den Super-Elektro-Pick-up".

Tesla Cybertruck

An der Spitze der Bewegung steht wenig überraschend Tesla mit dem Cybertruck (siehe Fotoshow oben im Artikel). Das fahrende Dreieck schlägt mit seinem Design völlig aus dem Rahmen und verfügt über eine Karosserie aus gehärtetem Edelstahl, die schlag- und schusssicher sein soll. Mit seinen Dimensionen (5,86 Meter lang, 2,03 Meter breit und 1,90 Meter hoch) orientiert sich der Cybertruck am US-Pick-up schlechthin, dem Ford F-150. Die Pritsche ist 1,98 Meter lang, im Fahrerhaus ist Platz für Sechs und die Zuladung gibt Tesla mit 1.588 Kilogramm an. Drei Batteriegrößen sollen für Reichweiten von 402, 483 und 805 Kilometer gut sein und mit drei Motorvarianten kombiniert werden. Die Grundpreise bewegen sich je nach Modellvariante zwischen 39.900 Dollar (aktuell umgerechnet zirka 36.050 Euro), 49.900 Dollar (45.085 Euro) und 69.900 Dollar (63.155 Euro). Die Auslieferungen sollten ursprünglich Ende 2021 beginnen. Aktuelle Prognosen gehen jedoch von Ende 2022 aus – frühestens.

Ford F-150 Lightning

Dass sich Tesla-Chef Elon Musk den Ford F-150 als direkten Gegner ausgeguckt hat, kommt nicht von ungefähr: Der Pick-up ist schließlich seit Jahrzehnten das meistverkaufte Auto der USA. Nicht nur in seinem Segment, sondern überhaupt. Und er kommt im Frühjahr 2022 endlich in einer Elektroversion, die den Beinamen "Lightning" trägt und deren Vorproduktion bereits gestartet ist. Allradantrieb und zwei Motoren sind bei ihm obligatorisch; sie liefern im Höchstfall eine Gesamtleistung von 563 PS und ein Drehmoment von 775 Newtonmetern. Die maximale Reichweite beziffert Ford mit 482 Kilometern. Und den Grundpreis mit 39.974 Dollar (umgerechnet gerade einmal rund 32.800 Euro) für die auf gewerbliche Kunden zugeschnittene Basisversion F-150 Lightning Pro.

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Ford

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Ford Ranger EV

Bei der Präsentation des F-150 Lightning verriet Ford-Boss Farley in einem Nebensatz, dass der Autobauer ein weiteres elektrisches Pick-up-Modell in der Pipeline hat. Aktuell bieten sich zwei Pick-ups aus der Modell-Range der Amerikaner an, die elektrifiert werden könnten. Da ist zum Einen der Ford Maverick, der als Kompakt-Modell vermutlich zu klein für die neue elektrische GE2-Plattform ist. Zum Anderen gibt es den Ford Ranger, der mit seinen Dimensionen perfekt auf die Plattform passen würde. In diesem Segment dürfte Ford auch eine signifikante Stückzahl erwarten, um das Ziel "Nummer eins unter den Herstellern von Elektro-Pick-ups" zu erreichen.

Technische Daten zu diesem Modell gibt es noch nicht, nur so viel: Die GE2-Basis kann sowohl Hinterrad- (RWD) als auch Allrad-Antriebe (AWD) abbilden und dient künftig als Basis für fast das gesamte Ford-Elektro-Portfolio – vom Nachfolger des aktuellen Mach-E über große SUV wie Ford Explorer bis hin zu Midsize-Pick-ups wie dem Ranger.

Canoo Pickup Truck

2023 soll der Pick-up-Truck von Canoo auf den Markt kommen – wenn das Start-up bis dahin seine finanzielle Turbulenzen in den Griff bekommt. Das in Los Angeles ansässige Unternehmen nutzt dafür seine bekannte Skateboard-Plattform, deren Antriebskomponenten in der zweimotorigen Variante mehr als 608 PS und maximal 746 Newtonmeter bereitstellen. Die Reichweite erscheint mit gut 322 Kilometern zwar recht schmal; dafür überzeugt der Canoo mit vielen praktischen Details, die das Leben von Handwerkern und Outdoor-Enthusiasten enorm erleichtern dürften. Hinzu kommt das Design mit steil abfallender Front, durch die der Kalifornier aus der Masse der neuen Elektro-Pick-ups heraussticht.

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Canoo Inc.

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Alpha Motors Wolf und Superwolf

Mit einem eher lifestyligen Anstrich kommen die Elektro-Pick-ups des Start-ups Alpha Motors daher. Mit ihrem Design erinnern der Wolf mit Single- oder Extended-Cab sowie die Crew-Cab-Variante Superwolf an die kompakten, eher dynamisch ausgerichteten Pick-ups der Siebziger- und Achtzigerjahre. Da sie sich eine Plattform teilen, gleichen sich die technischen Details: Auf Wunsch sitzt an jeder Achse ein Elektromotor, was die Pritschenwagen zu Allradlern macht. Die Reichweite soll im Bereich zwischen 450 und 500 Kilometern liegen. Ein wenig Skepsis ist allerdings angebracht, denn bisher präsentierten die Amerikaner nur Renderings von ihren Elektro-Pick-ups, für die schon eine ganze Zubehör-Palette – vor allem für Camper und andere Outdoor-Abenteurer – geplant ist. Genaue technische Daten sind bisher ebenso unbekannt wie der Zeitpunkt der Markteinführung. Bestellungen (zu vollen Preisen übrigens) nimmt Alpha Motors allerdings schon jetzt freudig entgegen.

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Alpha Motors

(Video) Tesla vs Porsche ¿Cuál es el Coche Eléctrico más Rápido del Mundo?

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GMC Hummer EV

Der elektrisch angetriebene General Motors-Pick-up, mit dem der Konzern die Modellbezeichnung Hummer reaktiviert, hat bei seiner Vorstellung ähnlich viel mediale Aufmerksamkeit eingeheimst wie seinerzeit der Cybertruck. Ist ja logisch bei diesen beeindruckenden Daten: Für die dreimotorige Topversion prognostiziert GMC (unter dem Dach der Marke firmiert der Hummer künftig) mehr als 1.000 PS und ein Drehmoment-Maximum von knapp 15.600 Newtonmeter (an den Rädern gemessen; kombinierter Wert beider Achsen). Das Robust-Design ist Hummer-typisch, und halbautonome Fahrfunktionen sind ebenso an Bord wie innovative Offroad-Features, darunter Unterboden-Kameras sowie eine Allradlenkung samt Crab-Mode: Hier kann der Fahrer per Tastendruck die vorderen und hinteren Räder diagonal stellen, um das Fahrzeug fast seitlich zu bewegen. Das Einführungs-Modell "Edition 1" kommt im Dezember 2021 zum Preis von 112.595 Dollar (fast 95.000 Euro) auf den Markt. Die 79.995 Dollar (knapp 67.500 Euro) teure Einstiegsversion ist erst für Frühjahr 2024 geplant.

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General Motors

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Elektrischer GMC Sierra

GM

Der GMC Sierra Denali EV soll noch 2022 vorgestellt werden

Bei einem Elektro-Pick-up wird es für die General-Motors-Marke nicht bleiben. Wie GMC ankündigt, plant der Hersteller einen weiteren Pritschenwagen mit Stromantrieb. Dieser soll der "Full-Size-Klasse" angehören und damit direkt den Ford F-150 Lightning angreifen. Der GMC Sierra EV soll noch 2022 vorgestellt werden. Ein Marktstarttermin wird allerdings noch nicht genannt. Klar ist aber, dass der Sierra EV nur in der Luxusversion Denali angeboten werden wird. Und höchst wahrscheinlich ist, dass der Sierra EV nahezu baugleich zum Schwestermodell Chevrolet Silverado wird. Informationen zur Technik? Gibt's im nächsten Absatz.

Chevrolet Silverado EV

Denn wie die bisherigen Pick-up-Modelle der Markenschwestern wird der elektrische GMC weitgehend baugleich mit dem ebenfalls lokal emissionsfrei angetriebenen Chevrolet Silverado sein. Diesen hat General Motors im April 2021 offiziell bestätigt, für Anfang 2023 ist die Markteinführung geplant. Seinen Batterieantrieb übernimmt er vom GMC Hummer EV und dessen Ultium-Plattform, der neben den Antriebskomponenten auch einen Akku beinhaltet, der für eine Reichweite von 640 Kilometern gut sein soll. Auch die für den Silverado EV konkret angekündigte Allrad-Lenkung kennen wir bereits vom Hummer. Da ist es nur logisch, dass die Produktion parallel zum Hummer und Sierra-Ableger in der jüngst eröffneten Factory Zero in Detroit-Hamtramck aufgegleist werden soll.

Nikola Badger

Das Start-up Nikola aus den USA darf man durchaus als Frontalangriff auf Tesla verstehen, schließlich war dies der Vorname des berühmten Erfinders, Physikers und Elektroingeneurs, nach dem Elon Musk seine Firma benannt hat. Doch die Attacke verpuffte: Nachdem ein Investor Betrugsvorwürfe gegen Nikola veröffentlichte, musste erst Firmenchef Trevor Milton zurücktreten. Danach zog sich ein Investor nach dem anderen zurück, und General Motors blies die geplante tiefgreifende Technik-Kooperation ab. Bedeutet: Der Elektro-Pick-up namens Badger, dessen Marktstart ursprünglich für September 2020 geplant war, kommt nun gar nicht. Das Besondere: Nikola plante nicht nur eine batterieelektrische Variante mit 460 PS Dauer- und 920 PS Spitzenleistung, sondern auch eine Kombination aus elektrischem Antriebsstrang, Lithium-Ionen-Batterie, Superkondensatoren und Brennstoffzelle als Range Extender. Doch daraus wird nun nichts. Die Konkurrenz wird's freuen.

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Nikola

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Rivian R1T

Rivian dürfte den schnellen Niedergang des Konkurrenten Nikola mit positiven Gefühlen aufgenommen haben – ein Konkurrent weniger! Das Start-up aus dem US-Bundesstaat Illinois kam zudem am besten aus den Startlöchern und produziert seinen R1T bereits in Serie. Das Modell ist damit der erste rein elektrisch angetriebene und in Serie produzierte Fullsize-Pick-up auf dem US-Markt. Seine vier radnah installierten Elektromotoren sollen eine Gesamtleistung von 588 kW (800 PS) und im Höchstfall 1.120 Newtonmeter liefern. Die maximal mögliche Batteriegröße (180 Kilowattstunden) soll für eine Reichweite von bis zu 640 Kilometern sorgen. Als Basispreis ruft Rivian für den 5,50 Meter langen R1T 67.500 Dollar (aktuell gut 60.000 Euro) auf.

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Jochen Knecht

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Atlis XT

Aus der Rubrik "Bei der Geburt getrennt" hätte neben dem Rivian bis vor Kurzem der Atlis XT stammen können, denn beide Elektro-Pick-ups ähnelten sich stark. Offenbar zu stark nach dem Geschmack des Start-ups aus Arizona: Die ersten Atlis-Prototypen sehen nun völlig anders aus und ähneln eher dem Cybertruck. Die technischen Analogien zum Rivian R1T bleiben aber erhalten: Beim XT verfügt ebenfalls jedes Rad über einen eigenen E-Motor und liefern drei Batterieoptionen bis zu 805 Kilometer Reichweite. Das zulässige Gesamtgewicht soll bei knapp 16 Tonnen liegen, was auf eine enorm große Anhängelast hindeutet. Im Gegensatz zu den aktuellen Lowtech-Pick-ups soll der Atlis mit XXL-Bildschirmen, Apple Carplay- und Android Auto-Konnektivität und irgendwann auch autonomem Fahren auf Level 5 sehr fortschrittlich ausgerüstet sein. Die Markteinführung des ab 45.000 Dollar (gut 40.000 Euro) erhältlichen Atlis XT war ursprünglich für 2021 geplant. Daraus wird jedoch nichts, und einen neuen Termin nennen die Amerikaner noch nicht.

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Atlis Motor Vehicles / Facebook

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Bollinger B2

Der Bollinger B2 sollte eigentlich seit Jahresbeginn 2021 auf dem Markt sein. Doch im Januar 2022 bläst der Hersteller das Projekt ab: Bollinger will vorerst nur den Nutz- und Flottenfahrzeug-Markt bedienen und jenen für Privatkunden links liegen lassen. Was uns entgeht? Ein Pritschenwagen mit extremer Kantenoptik, dessen an jeder Achse positionierte Elektromotoren zusammen 458 kW / 623 PS leisten und genug Kraft (906 Newtonmeter) liefern, um den B2 mit 2,3 Tonnen zu beladen und maximal 3,4 Tonnen an den Haken zu nehmen. Die 120-Kilowattstunden-Batterie sollte genug Energie für 332 elektrisch gefahrene Kilometer bereitstellen. Sicherheit und Komfort wurden im Elektro-Pick-up von Bollinger eher kleingeschrieben. Dafür war der Preis selbstbewusst kalkuliert: 125.000 Dollar (gut 111.000 Euro) wollten die Amerikaner für jeden B2 mindestens haben.

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Bollinger Motors

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Lordstown Endurance

Lordstown (die Marke ist nach der Stadt benannt, in der sie ihr Modell Endurance fertigen will) ereilte ein ähnliches Schicksal wie Canoo und Nikola: Shortseller-Attacken, finanzielle Probleme und technische Rückschläge sorgen dafür, dass sich der Marktstart des Elektro-Pick-ups immer weiter nach hinten verschiebt. Aktuell ist vom Jahresbeginn 2022 die Rede. Vier radnah installierte E-Motoren liefern zusammen bis zu 608 PS, beschleunigen den Endurance von null auf 60 mph (96,6 km/h) in 5,5 Sekunden sowie auf maximal 128 km/h. Als maximale Reichweite nennt Lordstown 402 Kilometer, der Grundpreis soll bei 52.500 Dollar (etwa 47.000 Euro) liegen. Irgendwann sollen in Lordstown 500.000 Elektro-Pickups jährlich vom Band rollen.